Biometrische Unterschrift: Definition, Funktions­weise und rechtliche Einordnung

Individuelle Schreibmerkmale schaffen mehr Sicherheit im digitalen Signaturprozess

Die biometrische Unterschrift verbindet die klassische handschriftliche Unterschrift mit den Vorteilen digitaler Signaturen. Anders als eine einfache elektronische Signatur erfasst sie nicht nur das sichtbare Schriftbild, sondern zusätzlich individuelle Merkmale des Schreibvorgangs. Dazu gehören Schreibgeschwindigkeit, Schreibrichtung, Schreibdruck und Schreibpausen. Durch diese zusätzlichen Informationen lässt sich der Unterschriftsvorgang im Streitfall besser nachvollziehen und die Beweiskraft einer elektronischen Signatur erhöhen. Unternehmen profitieren dadurch von vollständig digitalen Prozessen, ohne auf die vertraute Art der handschriftlichen Unterschrift verzichten zu müssen.

Dieser Beitrag informiert Sie über die Merkmale einer biometrischen Unterschrift, die rechtliche Einordnung und die technische Umsetzung.
Biometrische Unterschrift
Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste zusammengefasst

  • Eine biometrische Unterschrift erfasst neben dem Schriftbild auch individuelle Schreibmerkmale wie Geschwindigkeit, Schreibrichtung, Druck und Schreibpausen.
  • Eine biometrische Unterschrift kann als fortgeschrittene elektronische Signatur eingesetzt werden, wenn die Anforderungen der eIDAS-Verordnung erfüllt sind.
  • Biometrische Daten können nach der DSGVO zu den besonderen Kategorien personenbezogener Daten gehören und unterliegen dann erhöhten Datenschutzanforderungen.
  • Biometrische Daten sind besonders schützenswerte Daten, die verschlüsselt im Dokument eingebettet werden sollten.

Was ist eine biometrische Unterschrift?

Eine biometrische Unterschrift dokumentiert nicht nur das sichtbare Schriftbild, sondern auch den Verlauf des Schreibvorgangs. Die dabei erfassten biometrischen Daten können im Streitfall zur Überprüfung der Urheberschaft herangezogen werden und erhöhen damit die Nachvollziehbarkeit einer elektronischen Signatur.
Die Unterschrift erfolgt in der Regel auf einem Smartphone, Tablet oder Signaturpad. Die Signatursoftware zeichnet sämtliche Bewegungsdaten während des Unterschreibens auf und speichert sie verschlüsselt im Dokument.
Eine biometrische Unterschrift kann als fortgeschrittene elektronische Signatur (FES) gemäß der eIDAS-Verordnung eingesetzt werden, wenn die entsprechenden Anforderungen erfüllt sind. Sie eignet sich für die überwiegende Mehrheit geschäftlicher Dokumente und ermöglicht vollständig digitale Unterschriftsprozesse, ohne dass in den meisten Fällen eine vorherige Identifizierung wie bei einer qualifizierten elektronischen Signatur erforderlich ist.
Hinweis: Ob eine fortgeschrittene elektronische Signatur ausreicht oder eine qualifizierte elektronische Signatur (QES) erforderlich ist, hängt immer von den gesetzlichen Formvorschriften des jeweiligen Dokuments ab. Mehr zur Schriftform

Welche biometrischen Merkmale werden erfasst?

Biometrische Merkmale sind individuelle körperliche oder verhaltensbezogene Eigenschaften, anhand derer sich eine Person identifizieren oder verifizieren lässt. Zu den bekanntesten gehören der Fingerabdruck, die Iris, die Gesichtsgeometrie oder die Stimme.
Auch der handschriftliche Schreibvorgang weist individuelle biometrische Merkmale auf. Zwar kann das Erscheinungsbild einer Unterschrift variieren, der Bewegungsablauf beim Schreiben weist jedoch individuelle charakteristische Muster auf. Genau diese individuellen Eigenschaften werden bei einer biometrischen Unterschrift erfasst.
Je nach eingesetzter Hardware und Signatursoftware können unter anderem folgende Daten aufgezeichnet werden:
  • Schreibgeschwindigkeit
  • Schreibrichtung
  • Schreibpausen
  • Schreibdauer
  • Position der einzelnen Bewegungen
  • Druck auf das Eingabegerät
Im Gegensatz zu Verfahren wie Fingerabdruck- oder Gesichtserkennung dient die biometrische Unterschrift jedoch nicht der Authentifizierung beim Systemzugang. Ihr Zweck ist es, die Beweisbarkeit der Unterschrift zu erhöhen und im Streitfall die Unterschrift dem Unterzeichner zuordnen zu können.

Vorteile der biometrischen Unterschrift für Unternehmen

Gerade in Branchen mit hohem Dokumentenaufkommen trägt die biometrische Unterschrift dazu bei, Prozesse zu beschleunigen und gleichzeitig eine nachvollziehbare Dokumentation sicherzustellen.
Zu den wichtigsten Vorteilen gehören:
  • Hohe Akzeptanz: Mitarbeitende, Kunden und Geschäftspartner unterschreiben handschriftlich auf einem beliebigen Tablet, Smartphone oder Signaturpad.
  • Durchgängige Digitalisierung: Dokumente können ohne Medienbruch digital unterschrieben, weiterverarbeitet und archiviert werden.
  • Erhöhte Beweiskraft: Die zusätzlich erfassten biometrischen Merkmale können im Streitfall zur Prüfung der Urheberschaft herangezogen werden.
  • Schnellere Prozesse: Verträge, Lieferscheine, Übergabeprotokolle oder Personalunterlagen lassen sich unmittelbar vor Ort oder mobil unterzeichnen.
  • Geringere Kosten: Papier, Druck, Versand und physische Archivierung entfallen weitgehend.
  • Echtes Unterschriftenfeeling: Die Signatur sieht aus und fühlt sich an wie eine klassische Unterschrift auf Papier. Das schafft Vertrauen bei Vertragspartnern, die digital unerfahren sind.

Biometrische Unterschrift und DSGVO

Biometrische Daten gehören laut DSGVO zu den besonderen Kategorien personenbezogener Daten und unterliegen erhöhten Datenschutzanforderungen. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn sie zur eindeutigen Identifizierung einer natürlichen Person verarbeitet werden. Für Unternehmen bedeutet dies erhöhte Anforderungen an Transparenz, Zweckbindung und Datensicherheit.
Wer biometrische Unterschriften einsetzt, sollte insbesondere folgende Punkte beachten:
  • Die Verarbeitung benötigt eine geeignete Rechtsgrundlage.
  • Die Daten dürfen ausschließlich für den vorgesehenen Zweck verwendet werden.
  • Die biometrischen Informationen müssen wirksam vor unbefugtem Zugriff geschützt werden.
  • Betroffene Personen müssen transparent über die Verarbeitung informiert werden.
Neben den rechtlichen Anforderungen spielt auch die technische Umsetzung eine zentrale Rolle. Entscheidend ist nicht nur die Verschlüsselung der biometrischen Daten, sondern auch ihre sichere Speicherung und der kontrollierte Zugriff im Bedarfsfall.

Beweisbarkeit der Unterschrift

Die Beweiskraft einer biometrischen Unterschrift ergibt sich aus der Kombination von optischem Unterschriftsbild und den zusätzlich erfassten biometrischen Merkmalen. Mit einer speziellen Analysesoftware lassen sich die gespeicherten biometrischen Werte im Nachhinein sichtbar machen und im Detail betrachten. Das Verfahren ist vergleichbar mit einem Video, das in Zeitlupe abgespielt wird, sodass einzelne Abschnitte der Unterschrift genau untersucht werden können.
Abweichungen zwischen einzelnen Unterschriften einer Person stellen für die Beweisführung keine Einschränkung dar. Die Echtheit einer Unterschrift kann anhand der Gesamtheit der biometrischen Daten bewertet werden, selbst wenn einzelne Details der elektronischen Signatur nicht exakt mit einer früheren Unterschrift übereinstimmen. Ein Schriftsachverständiger kann auf Basis dieser Daten eine fundierte Einschätzung zur Urheberschaft der Unterschrift abgeben.

Wie funktioniert die biometrische Unterschrift mit inSign?

Die technische Umsetzung einer biometrischen Unterschrift unterscheidet sich je nach Signaturlösung. Am Beispiel von inSign zeigt sich, wie biometrische Merkmale erfasst und geschützt werden.
Als Anbieter einer elektronischen Signaturlösung unterstützt inSign verschiedene Methoden der digitalen Unterschrift, darunter die Handschrift (fortgeschrittene elektronische Signatur gemäß eIDAS-Verordnung). Bei der handschriftlichen elektronischen Signatur erfasst inSign neben dem sichtbaren Unterschriftsbild auch biometrische Merkmale des Schriftzugs datenschutzkonform, wie Schreibgeschwindigkeit, Schreibrichtung, Schreibdruck und Schreibpausen. Diese Werte werden asymmetrisch verschlüsselt in das PDF-Dokument eingebettet. Der private Schlüssel zur Entschlüsselung kann bei einer unabhängigen Instanz wie einem Notar hinterlegt werden. Damit kann niemand unbefugt auf die biometrischen Daten zugreifen.
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Fazit: Rechtssicher und nachvollziehbar

Die biometrische Unterschrift kombiniert die gewohnte Handhabung einer handschriftlichen Unterschrift mit den Anforderungen eines rechtssicheren, digitalen Signaturprozesses. Durch die Erfassung individueller Schreibmerkmale entsteht ein belastbarer Datensatz, der im Streitfall analysiert und einer Person zugeordnet werden kann. Gleichzeitig unterliegen biometrische Daten strengen datenschutzrechtlichen Vorgaben nach der DSGVO, weshalb Verschlüsselung, Zweckbindung und die Einbindung unabhängiger Instanzen zentrale Bausteine einer rechtskonformen Umsetzung sind.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zur biometrischen Unterschrift

Eine einfache elektronische Signatur speichert in der Regel nur das optische Bild der Unterschrift. Eine biometrische Unterschrift erfasst zusätzlich dynamische Schreibmerkmale wie Geschwindigkeit, Richtung und Pausen, wodurch die Beweiskraft deutlich erhöht wird.

Die Verarbeitung biometrischer Daten bei der Unterschrift ist möglich, wenn die Vorgaben aus Artikel 9 DSGVO eingehalten werden. Dazu zählen unter anderem eine klare Zweckbindung, eine durchgängige Verschlüsselung sowie der Zugriff nur durch eine unabhängige, vertrauenswürdige Instanz.

Neben dem Unterschriftsbild werden dynamische Merkmale des Schreibvorgangs erfasst, etwa Tempo, Richtung, Druck und Pausen der Bewegung. Diese Werte werden verschlüsselt in das jeweilige Dokument eingebettet.

Ja. Sie kann als fortgeschrittene elektronische Signatur eingesetzt werden, wenn sie die Anforderungen der eIDAS-Verordnung erfüllt, und ist damit in den meisten geschäftlichen Zusammenhängen verbindlich.

Abweichungen sind normal und stellen die Beweisbarkeit nicht in Frage. Die Echtheit lässt sich weiterhin anhand der Gesamtheit der biometrischen Daten nachweisen.

Über den Autor
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Mirko Röder

Als Product Owner bei inSign bin ich seit vielen Jahren für unsere Signaturlösung verantwortlich. Die IT ist meine Leidenschaft und fasziniert mich schon seit meinen frühen Kindertagen. Ich kenne inSign seit seiner Entstehung und durfte seitdem viel Erfahrungen im Bereich der Signaturen sammeln, die ich gern weitergebe.